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21.11.2016 News Allgemein

"Mit der globalen Brille betrachtet"

Olympische Spiele sollen möglichst nichts von ihrer Faszination verlieren, doch selbst Sportinteressierte wissen nicht so recht, wie sie funktionieren. „Was macht eigentlich das IOC mit seinen vielen Einnahmen?“, so lautete die Fragestellung des Kurzvortrags von Prof. Dr. Michael Dinkel. Die Deutsche Olympische Gesellschaft Metropolregion, die sich die Vermittlung von Olympischen Werten auf ihre Fahnen schreibt, hatte dabei erstmals zu einem „Kaminabend“ in den OSP Rhein-Neckar nach Heidelberg eingeladen. Die charmante Koordination der Vortragsreihe haben die beiden Ex-Hürdensprinterinnen Claudia Reidick (54, ehemals Zaczkiewicz) und Kirsten Bolm (41) übernommen.

Michael Dinkel (46), Studiengangsleiter für Messe-, Kongress- und Eventmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim, Kommunikationsberater für diverse Markenartikler und Fachbuchautor, fragte launig und provokant, „wem die Olympischen Spiele eigentlich gehören?“ Es ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem Hauptsitz in Lausanne, das sich für die Organisation und Betreuung der Spiele mit seinen diversen Gremien verantwortlich zeichnet. Dinkel räumte hier mit dem gängigen Vorurteil auf, IOC-Präsident Thomas Bach aus Tauberbischofsheim, die Vorstände und die maximal 115 Mitglieder der Vollversammlung würden Unsummen verdienen. Es gäbe lediglich Aufwandsentschädigungen und Sitzungspauschalen für die meisten, lediglich der oberste „Olympier“ Bach erhalte rund 220.000 Euro pro Jahr. „Das IOC funktioniert wie ein Verein und ist ein Stakeholder“, sagte Dinkel.Die Spiele an sich finanzieren sich dank der Sponsoren- und Medieneinnahmen selbst. Hauptproblem ist das Stemmen der Kosten für die Infrastruktur, die die entsprechenden Staaten und Regierungen leisten müssen. Beispiel London 2012: Knapp 3,2 Milliarden Euro an Einnahmen, 15,2 Milliarden Euro Gesamtausgaben (aufgesplittert in Organisations- und Infrastrukturkosten). Die Geldflüsse sind in der Tat beeindruckend, doch tatsächlich stopft sich keiner die Taschen voll. „Man muss das System mit der globalen Brille betrachten“, fordert Dinkel als Kenner von Großevents.Die Einnahmen für die Olympischen Spiele basieren auf einem Vier-Säulen-Modell: Broadcast, Sponsoring, Ticketing und Licensing. Dabei ist ein klarer Trend erkennbar – der Anteil der TV-Gelder wird immer höher. Der amerikanische Fernsehsender CBS kontrolliert den olympischen Markt, und da unlängst ein neuer Megavertrag über 5,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2032 abgeschlossen wurde, dürfte sich das Ungleichgewicht eher verschärfen. „Es ist beängstigend, wenn CBS gefährlich dominiert“, so Dinkel nachdenklich.Auch das Sponsoring ist extrem amerikanisch und asiatisch geprägt bzw. orientiert, wie sich an den Olympischen Spielen 2016 von Rio de Janeiro festmachen lässt. Die zehn größten Sponsoren stammten fast ausnahmslos aus den USA, Südkorea und Japan, 2020 in Tokio wird es nicht anders sein, hier kommen Bridgestone und Toyota hinzu, die Verträge bis 2024 unterzeichnet haben.„Quo vadis, Olympische Spiele?“, leitete Dinkel zu einer angeregten Diskussionsrunde der rund 25 Gäste über. „Es ist auffällig, dass die meisten Demokratien die Spiele gar nicht mehr haben wollen“, sagte er mit dem Unterton des Bedauerns. Gerade München, Hamburg oder Berlin wären prädestiniert, Feuer und Flamme für Olympia zu sein. „Wenn es München 1972 nicht gegeben hätte, gäbe es auch diesen Olympiastützpunkt nicht“, erinnerte OSP-Leiter Daniel Strigel an einen wesentlichen Zusammenhang aus regionaler Sicht.Die Situation ist in Deutschland suboptimal. Es fließt zu wenig Geld ins Sportsystem und in die Förderung. Hinzu kommt der Aspekt, dass viele hoch qualifizierte deutsche Trainer in den vergangenen zwanzig Jahren ins Ausland abgewandert sind. Dadurch konnten andere Nationen leistungsmäßig aufschließen.Einen interessanten Vorschlag in Sachen Austragungsort warf Dinkel in die Runde: „Vielleicht muss man mal radikal was Anderes machen. Die alten Griechen waren ja nicht doof und haben die antiken Spiele immer am gleichen Ort veranstaltet.“ Eine olympische Kapitale wie London, Paris oder Baku dauerhaft auf dem europäischen Kontinent? Effizienter, kostengünstiger und nachhaltiger wär’s in jedem Fall.Wirkliche Sorgen um das Weiterexistieren von Olympischen Spielen muss man sich nicht machen. „Die Ringe sind das weltweit bekannteste Markensymbol“, verbreitete Michael Dinkel Optimismus. Wenn Coca Cola nicht als Sponsor auftreten würde, übernehme eben Pepsi diesen Part. Finanzielle Akteure und Partner seien stolz, dabei zu sein. Die Zugehörigkeit zur olympischen Familie geht demnach weit über die Athletinnen und Athleten aus rund 200 Nationen hinaus. Ein gutes, beruhigendes Zeichen für die Zukunft ... Von Joachim Klaehn

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